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Großeinsatz nach schwerem LKW-Unfall

Kategorie: Feuerwehrteam des Jahres - National

Name der Feuerwehr: Freiwillige Feuerwehr Lehrte, Niedersachsen

Das Einsatzgebiet der Freiwilligen Feuerwehr Lehrte, das Autobahnkreuz von A2 und A7, zählt zu Deutschlands verkehrsreichsten Punkten. Allein zwischen Oktober 2015 und September 2016 rückte das Team zu 35 Einsätzen aus. Die Bilanz: 51 beteiligte LKW, 5 Kleintransporter, 12 PKW, 40 verletzte Personen, 3 Tote. Genau deshalb fördert die Freiwillige Feuerwehr Lehrte besonders die Aus- und Fortbildung seiner Kameraden und hat zudem in ein eigenes, auf den Einsatz bei Verkehrsunfällen angepasstes Fahrzeugkonzept investiert. Das Ergebnis: Ein physisch und mental belastbares, hervorragend ausgerüstetes Team. Voraussetzungen, die der Freiwilligen Feuerwehr Lehrte auch bei einem ihrer schwierigsten Einsätze im Frühjahr 2016 zugute kamen.

LKW-Fahrer massiv eingeklemmt

Der Alarm erreicht das Team am 12. April 2016 gegen 12:50 Uhr. Auf der A2 zwischen Hämelerwald und Lehrte-Ost hatte ein LKW-Fahrer den Stau zu spät bemerkt und fuhr ungebremst auf das Stauende auf. Dabei schob er die beiden vor ihm stehenden 40-Tonnen-LKW ineinander und wurde selbst in seiner Fahrerkabine massiv eingeklemmt. Als das Einsatzteam der Freiwilligen Feuerwehr den Unfallort erreicht, sind alle drei Fahrspuren durch Trümmer und Ware, Stahlrohre und Futterpellets blockiert. Gerade die ca. 30 cm hoch auf der Fahrbahn liegenden Pellets gestalten die Rettungsarbeiten ähnlich schwierig wie Schnee und werden damit zur physischen Herausforderung für die Kameraden.

Lehrter Fahrzeugkonzept überzeugt bei Bergung

Nachdem sich die Einsatzkräfte davon überzeugt haben, dass kein LKW Gefahrengüter geladen hat, konzentrieren sie sich ausschließlich auf die Bergung des lebensbedrohlich verletzten Unfallverursachers. Da sich dessen Fahrerkabine im Auflieger des vorausfahrenden LKW verkeilt hat, fordert das Team den Rüstzug der Berufsfeuerwehr Hannover samt Kran an. Dank Lehrter Fahrzeugkonzept kommt dieses jedoch später nicht zum Einsatz. Denn mittels zwei nahezu baugleicher HLF können die Einsatzkräfte parallel von der Fahrer- und Beifahrerseite aus arbeiten. Zunächst entfernen die Kameraden die Tür mittels Spreizer und drücken die Kabine mit einem Rettungszylinders nach vorne. Anschließend wird der Vorbau durch einen weiteren Rettungszylinder ebenfalls nach vorne gedrückt, bevor das Team mehrere Teile der Konsole entfernt. Nach ca. 45 Minuten und mithilfe von drei Rettungssätzen mit mehreren hydraulischen Zylindern kann die Freiwillige Feuerwehr den Schwerverletzten bergen. Insgesamt waren ein ELW, HLF-T, HLF-B, HLF Hämelerwald mit 24 Einsatzkräften sowie der Rüstzug der Berufsfeuerwehr Hannover, ein Rettungsdienst mit zwei NEF, drei RTW, zwei Rettungshubschraubern sowie zahlreiche Polizeikräfte im Einsatz.

Warum sich auf dieser Strecke der A2 besonders viele Unfälle ereignen, wurde nach dem Einsatz erneut deutlich. Die offenporige Asphaltdecke ist besonders anfällig für Benzin oder Öl. Denn Flüssigkeiten versickern in den Zwischenräumen und sorgen so für Rutschgefahr durch Schmierglätte. Nach dem schweren LKW-Unfall bei Lehrte musste die Fahrbahn an der jeweiligen Unfallstelle aufgefräst und erneuert werden, um sie wieder für den Verkehr freizugeben.