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Jugendfeuerwehr Deisel als „Feuerwehrteam des Jahres 2014” ausgezeichnet

Gewinner Magirus Award 2014 Jugendfeuerwehr Deisel
Strahlende Gewinner: Die Jugendfeuerwehr Deisel mit Tony Tricarico

Das Congress Centrum Ulm wurde am Freitagabend zum Nabel der nationalen und internationalen Feuerwehrwelt. Im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung wurden die Gewinner des Conrad Dietrich Magirus Preises bekannt gegeben. Großer Jubel brandete bei der Jugendfeuerwehr aus Deisel auf, einem Ortsteil der nordhessischen Stadt Trendelburg zwischen Paderborn und Göttingen: Das Team wurde mit dem ersten Platz ausgezeichnet und darf die begehrte Statue mit nach Hause nehmen. Die jugendlichen Gewinner bewiesen mit einer couragierten Aktion in den sozialen Netzwerken großen Teamgeist und setzten sich damit gegen Feuerwehren aus ganz Deutschland durch. Über den zweiten Platz freute sich ebenfalls ein hessisches Team, die Feuerwehr Marburg. Gleichzeitig wurde das internationale Feuerwehrteam des Jahres 2014 gekürt: Die Feuerwehr Rio de Janeiro (Brasilien) konnte sich gegen starke Konkurrenz aus aller Welt behaupten. Auf Platz zwei folgte die Feuerwehr Absam (Österreich), der dritte Platz ging an die Feuerwehr Lampedusa (Italien).  

Die Gewinnerteams wurden im Rahmen der Galaveranstaltung vor rund 600 geladenen Gästen geehrt. Neben Antonio Benedetti, Geschäftsführer der Magirus GmbH, befanden sich unter den Festgästen auch der Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner, Tore Eriksson, Präsident des Weltfeuerwehrverbandes CTIF, und als Überraschungsgast Captain Tony Tricarico aus New York. Er war als Feuerwehrmann am 11. September im Einsatz und sprach in einer bewegenden Festrede über das selbstlose und unersetzliche Engagement von Feuerwehrleuten in aller Welt. „Dieser Award steht für das, wofür wir Feuerwehrleute tagtäglich leben: Wir wollen Menschen helfen und Menschen retten. Dieses Engagement rückt der Conrad Dietrich Magirus Preis in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit. Und wenn beim nächsten Mal die Straße gesperrt ist und nur einige Menschen mehr daran denken, dass wir gerade unser Bestes geben anstatt sich über die Sperrung zu ärgern, dann ist schon viel gewonnen“.

Mut, Entschlossenheit und Teamgeist


Die eingereichten Einsätze aus Deutschland und aller Welt zeigten eindrucksvoll, mit welcher Bandbreite an Aufgaben und welchen Gefahren Feuerwehren konfrontiert werden. Naturkatastrophen wie verheerende Waldbrände und ein Taifun waren ebenso unter den Bewerbungen wie die Bekämpfung spektakulärer Großbrände und anspruchsvolle Rettungsaktionen – alle unter dem Druck, zu wissen, dass jede Handlung über Leben und Tod entscheiden kann. Hinzu kamen in Deutschland zahlreiche Bewerbungen aus dem sozialen Bereich, die deutlich machten, wie stark sich Feuerwehren über ihre klassischen Aufgaben hinaus engagieren. „Wir haben allergrößten Respekt vor dem, was Feuerwehren leisten, auch weil wir dank unserer vielen Mitarbeiter, die aktiv im Feuerwehrdienst sind, wissen, dass dieser Job einem alles abverlangt“, sagte Antonio Benedetti. Deswegen habe das Unternehmen den Conrad Dietrich Magirus Preis ins Leben gerufen und freue sich sehr, dass sich der Award inzwischen zu einem der renommiertesten Preise für Feuerwehren entwickelt habe.

Zeichen gegen einen gefährlichen Trend


Um den deutschen Award hatten sich in diesem Jahr Feuerwehrteams aus zahlreichen Städten und Gemeinden beworben. Eine Fachjury wählte unter allen Bewerbungen die besten aus und schickte diese in ein öffentliches Online-Voting auf www.feuerwehrwelt.de. Dabei konnte die Jugendfeuerwehr Deisel die meisten Stimmen für sich gewinnen. Die Jugendlichen überzeugten Fachjury und Teilnehmer des Online-Votings mit einer Gegenaktion zu einem umstrittenen Trinkspiel, das in den sozialen Netzwerken kursierte. Anstelle zum Trinken animierten die Mitglieder der Jugendfeuerwehr zu sportlichen Aktivitäten. Sie absolvierten im Februar unter dem Motto „Laufen statt Saufen“ eine Schnelligkeitsübung, die für ein Feuerwehr-Abzeichen zu leisten ist, und nominierten andere Feuerwehren, diese Übung nachzumachen und ebenfalls im Netz zu veröffentlichen. „Wir haben über diese Bierwetten nur den Kopf geschüttelt, weil sie aus unserer Sicht ein ganz gefährlicher Trend sind“, erklärte Désirée Partosch, Jugendwartin der Feuerwehr Deisel.

Gewinner Magirus Preis International Rio de Janeiro
Die Gewinner International aus Rio de Janeiro.

Die Idee der Jugendfeuerwehr trat eine Welle der Begeisterung los und löste ein bundesweites Echo aus, das sogar bis nach Österreich überschwappte. Bis heute beteiligten sich rund 300 Feuerwehren aus ganz Deutschland und Österreich an der Aktion und setzten so mit Teamgeist und Engagement ein deutliches Zeichen gegen einen fragwürdigen Trend. „Ohne die Unterstützung der vielen Kameradinnen und Kameraden wäre die Aktion nie so groß geworden. Deswegen gehören heute eigentlich alle Feuerwehren, die sich daran beteiligt haben, zu den Gewinnern des Conrad Dietrich Magirus Preises“, so Partosch.

International konnte die Feuerwehr Rio de Janeiro die meisten Stimmen für sich gewinnen. Sie hatte im Januar einen Einsatz mit Bravour gemeistert, der weit über die Grenzen einer durchschnittlichen Alarmierung hinausging. Ein Lastwagen hatte eine Fußgängerbrücke über einer viel befahrenen Stadtautobahn gerammt und zum Einsturz gebracht. Die Stahlkonstruktion begrub mehrere Autos unter sich, ein Fußgänger stürzte von der Brücke in den darunterliegenden Fluss und weitere Fahrzeuge kollidierten mit der Brücke. „Es waren eigentlich drei Einsätze in einem“, erinnerte sich Oberstleutnant Demetrio Saldanha von der Feuerwehr Rio de Janeiro im Rahmen der Preisverleihung. „Wir mussten schnell vorgehen, Hand in Hand arbeiten und unterschiedliche Techniken einsetzen. Es ist uns eine Ehre, dass wir dafür den Conrad Dietrich Magirus Preis nach Brasilien bringen dürfen.“

Neben den Gesamtsiegern nahmen auch die Sieger in der Kategorie Brandbekämpfung, die Feuerwehr Marburg, ihren Pokal freudestrahlend entgegen. Sie wurde im Juni zu einem Brand in einem 12-stöckigen Hochhaus gerufen. Aufgrund der ungewöhnlich starken Rauchentwicklung konnten sich viele der 220 Bewohner nicht mehr in Sicherheit bringen. Bei der Befreiung der Menschen sowie der Lokalisierung des Brandherdes zählte daher jede Sekunde. Die Fachjury lobte das schulbuchmäßige Vorgehen der Feuerwehr, die mit anfangs geringen Kräften die komplizierte Lage schnell in Griff bekam.
 

Reise nach New York


Das Engagement der Gewinner wurde nicht nur mit der Statue gewürdigt, sondern zusätzlich mit einem außergewöhnlichen Preis: Jeweils ein zehnköpfiges Team der Jugendfeuerwehr Deisel und der Feuerwehr Rio de Janeiro reist zur wohl bekanntesten Feuerwehr der Welt, dem Fire Departement of the City of New York (FDNY) – Flug, Übernachtungen und ein spannendes Programm inklusive. Dort lernen die Teams die Arbeit der amerikanischen Kollegen intensiv kennen. Sie besuchen verschiedene Feuerwachen, besichtigen das derzeit modernste Löschboot weltweit und können in der Akademie „The Rock“ die Ausbildung der amerikanischen Feuerwehrleute live erleben.